Wie ist es ein Interview in Oxbridge zu haben?

 
 

Für die Undergraduate Bewerber für Oxford und Cambridge ist es bald so weit: das Interview vor Ort steht an. Beide Universitäten halten ihre Interviews in den ersten drei Wochen im Dezember ab, also macht es Sinn sich jetzt auf das Interview vorbereiten. Auf den Websites der Unis gibt es verschiedene Tipps und Erklärungen wie die Interviews ablaufen und auf was die Interviewer Wert legen. Wir werden deshalb nicht die Allgemeinheiten der Interviews erklären, sondern Euch zwei konkrete Berichte geben, wie die Interviews in Oxbridge aussehen können.

Ninas Interview in Oxford

Hier ist eine kleine Zusammenfassung meiner Interviewzeit in Oxford für den Kurs Economics & Management.

Ablauf der Interviews

Ungefähr zwei Wochen vor den Interviews werden E-Mails an alle Bewerber ausgesandt und man wird über UCAS über die Entscheidung der Universität informiert. Die Interviews werden über mehrere Tage hinweg abgehalten, da man zwei, eventuell sogar drei separate Gespräche hat. Da ich hinfliegen musste, habe ich beantragt, dass ich am Vortag des angegebenen Zeitraums ankommen durfte. Vorort werden Zimmer und Essen zur Verfügung gestellt – es muss sich somit um nichts extra gekümmert werden.  

Die Interviews sind nach Fächern gegliedert. Ich hatte an meinem College eines mit meinem Management Tutor und eines mit dem Ecomomics Tutor. Es waren je zwei Interviewer anwesend, was aber kein Grund zur Sorge ist. In Management habe ich eine Logikfrage bekommen und sollte zum Thema „Unicorns“ (den Start-ups, nicht den Fabelwesen wie ich zuerst dachte) Stellung nehmen und auf einige der von den Interviewern eingebrachten Punkte eingehen. In Economics wurden mir einige Verkaufszahlen gegeben und wie sich diese grundsätzlich verhalten, sobald die Konkurrenz ihr Angebot ändert. Prinzipiell waren es nur simple Zahlenbeispiele. In meinem Fall war die Atmosphäre sehr gemütlich und mir wurde über Hindernisse hinweggeholfen. Was mir oft gesagt wurde, ist, dass einer der Hauptzwecke sei, herauszufinden, wie die Interviewees ihre Schlüsse ziehen und argumentieren können. Vorwissen ist keine Voraussetzung, wirkt natürlich aber definitiv positiv.

Man muss über den angegebenen Zeitraum in Oxford bleiben, da man am letzten Tag eventuell ein drittes Interview an einem anderen College bekommen kann. Es wird stets betont, dass es nicht aussagekräftig über die Qualität der Bewerbung ist, ob man ein zusätzliches Interview bekommt oder nicht. Dieses Interview findet mit den Tutoren des anderen Colleges statt und ist eine Kombination von Economics und Management (je eine Aufgabe pro Teilbereich).

Durch Gespräche mit vielen anderen Kandidaten, die jetzt in meinem Kurs sind, habe ich erfahren, dass die Interviews je nach College sehr verschieden ablaufen, da die Entscheidungen von den individuellen Tutoren getroffen werden. Beispielsweise bekommt man in Management manchmal einen kurzen Artikel zu lesen und muss dazu seine Meinung kundtun.

Ninas Tipps

  • Keine Sorge! Das Tutorensystem in Oxford beruht auf einer engen Zusammenarbeit zwischen Studenten und deren Tutoren. Daher ist auch das Klima im Interview dementsprechend aufgebaut.

  • Fragen stellen! Wenn man in der Angabe etwas nicht versteht oder sie prinzipiell nicht verstanden hat, dann unbedingt dazu stehen. Das ist sogar positiv angesehen und vor allem als Non-Native Speaker absolut kein Problem.

  • Eventuell ein paar neue Artikel aus der Financial Times, The Economist oder andere relevante Medien durchstöbern. Vorauswissen ist für diesen Kurs kein Muss, aber ein Interesse zeigen zu können schadet nicht und man fühlt sich ein wenig selbstsicherer.

  • Rechtzeitig dort sein. Zeiten werden üblicherweise ausgehängt (meist beim Portier). Regelmäßig nachzuschauen, ob sich etwas geändert hat ist auch ein guter Tipp 😉 Üblicherweise bleibt alles beim Alten, aber Interviews sind für die Colleges auch ein großer Organisationsaufwand.

  • Personal Statement durchlesen und auf Fragen diesbezüglich vorbereitet sein.

  • Zeit nutzen. Es gibt viele Aktivitäten, die von den Studenten vorbereitet werden und euch auch einen kleinen Eindruck über das Leben in Oxford bieten. Erkundet die Stadt und tauscht euch mit anderen Bewerbern aus.

Sophias Interview in Cambridge

Zuvor ein kleiner Hinweis: mein Interview in Cambridge ist schon über 5 Jahre her, also sind meine Erinnerungen nicht mehr so genau, aber ich hoffe es kann Euch trotzdem helfen.

Ich bewarb mich am King’s College für Human, Social and Political Science (HSPC). In diesem Fach setzte King’s College sowohl ein Interview wie auch einen geschriebenen Test voraus. Das ist nicht für alle Colleges gleich, manche verlangten bei HSPS nämlich nur ein Interview.

Ich reiste am Vortag an und wurde in einem der Zimmer im College untergebracht. Für die Einweisung waren StudentInnen zuständig, die aktuell dort studiert hatten und die allesamt sehr freundlich waren. Abendessen und Frühstück am nächsten Tag gab es auch im College. An meinen Ankunftsabend liefen ein paar Cambridge StudentInnen als Hogwarts SchülerInnen verkleidet herum. Um was es da ging weiß ich bis heute nicht.

Am nächsten Tag hatte ich am Vormittag den Essay-Test und am Nachmittag das Interview. Der Test dauerte eine Stunde in der ein Essay zu schreiben war. HSPS ist eine Kombination aus Politikwissenschaft, Internationale Beziehungen, Soziologie und Anthropologie. Zum dem Test gab es daher eine Auswahl aus ca. 10 Fragen aus diesen Fächern, von denen eine in einem Essay zu beantworten waren. Beispiele für die Fragen: Would it be better for democracy if Members of Parlament were not elected but chosen at random? Is there a decline of religion? Die Fragen sind also sehr breit und es ist möglich jede ohne bestimmtes Vorwissen zu beantworten. Es ist auf jeden Fall hilfreich sich anzusehen was englische Unis in ihren Essays wollen. Ich musste in der Schule oft Aufsätze schreiben, die beide Seiten der Frage abwägen. In England verlangen sie in den Essays aber, dass man eine klare Stellung bezieht und dann dafür argumentiert. Argumente der anderen Seite können inkludiert werden, aber nur wenn sie auch entkräftet werden.

Am Nachmittag hatte ich das Gespräch mit den beiden Interviewern. Beide waren sehr nett und sichtlich interessiert daran was ich zu sagen hatte. Sie stellten mir einige Fragen über was ich in meinen Personal Statement geschrieben hatte. Ich erwähnte auch einige Bücher in meinen Personal Statement und sie wollten wissen was ich an ihnen faszinierend gefunden habe und ob ich das Argument des Autors überzeugend fand. Dann stellten sie die Frage, die sie an alle BewerberInnen stellten, nämlich Is inequality necessary in society? (soweit ich mich erinnere, es ging auf jeden Fall um Ungleichheit). Ich war ziemlich nervös und hatte manchmal ein wenig Probleme mit meinem Englisch aber die Interviewers halfen mir sehr.

Wir hoffen das hilft Euch in der Vorbereitung auf das Interview. An alle die bald nach England reisen: Alles Gute! Project Access hält Euch die Daumen.

 
Sophia Hödl